06.07.2005

Am nächsten Morgen sind wir nach dieser ungemütlichen Nacht früh wach. Die Sonne scheint, und der Neuschnee am MorgenBlick aus dem Fenster bietet ein ungewöhnliches Panorama – komplett in weiß. Es liegt 5-10 cm Neuschnee, alle Gipfel ringsrum sind winterlich weiß.

Schnell geht’s ab nach draußen zur Foto-Session, denn das wird uns in Deutschland kaum einer glauben. Leider sind noch nicht alle Kleidungsstücke trocken, aber was soll’s. Der morgentliche Waschgang fällt dann aufgrund des Andrangs an wenigen Waschbecken eher dürftig aus. Ähnlich ist es mit dem Frühstück bestellt. Wir erkundigen uns beim Hüttenwirt über die Wegverhältnisse zum Seekofel, dieser rät uns von einer Besteigung ab, zu klitschig sei der Steig – und die Wegmarkierungen wären nicht sichtbar.

Mürrisch treten wir den Rückweg an – und schlagen heute die kürzere Wegstrecke ein. Trotz Sonnenschein also heute kein Gipfelglück. Die Stimmung ist gedrückt. Der Weg führt uns durch riesige Geröllhänge, Felsbrocken, die die Nordflanke des Seekofel einst zierten und irgendwann den Weg ins Tal angetreten sind. Tatsächlich sind die roten Markierungen Blick zurückanfangs wirklich nicht zu erkennen durch den Schnee. Je weiter wir absteigen, desto wärmer wird es, wir haben das Gefühl, vom Winter in den Sommer zu wandern.

Bald begegnen uns die ersten aufsteigenden Wanderer in T-Shirt und kurzen Hosen. Unsere unterschiedliche Kluft – wir in dicken Pullovern verpackt – bringt uns ins Gespräch. Durch Wälder über Stein und Wurzeln führt der Weg schließlich an die Weggabelung, die wir vom Vortag kennen. Gestern haben wir diesen Weg völlig übersehen. Er hätte uns 1 h Kälte und Nässe erspart.

Am Pragser Wildsee angekommen – hier tobt der Tagestouristenrummel wie immer – faulenzen wir dann erstmal direkt am See und belustigen uns mit Steinewerfen. Zurück zum Parkplatz nehmen wir die nun andere Uferseite, die hoch oben im Fels teilweise schöne Tiefblicke und eine schöne Aussicht über den See bietet.

So richtig touristisch wird’s dann rund um die Imbissbuden und Trinkhallen unmittelbar beim Hotel bzw. Sommer im Talbei den Parkplätzen. Aber auch wir gönnen uns Wurscht und Pommes – und überlegen, was wir mit dem Nachmittag anfangen. Die Sonne schwindet jedoch inzwischen wieder. Alsbald Zurück am Pragser Wildseemachen wir uns auf den Weg Richung Misurina und Auronzohütte am Fuße der Drei-Zinnen. Schlechtes Wetter lässt uns hier dann erneut umkehren. So verbringen wir Abend und Nacht im bekannten Sexten, Ortsteil Moos im Haus einer urigen netten alten Dame. Hier fanden wir vor Jahren eine super Pizzaria, wo wir uns auch heute wieder verköstigen lassen – Pizza mit viel Olio picante!

Am nächsten Morgen erzählt uns die alte Dame beim typisch südtiroler Frühstück, dass bereits Theo Übernachtung in Sexten/MoosWaigel in jungen Jahren zu ihren Gästen zählte. Dabei schimpft sie auf die Italiener – zählt sich als Südtirolerin selbstverständlich nicht dazu. Sodann brechen wir auf mit wehmütigem Gefühl im Magen.

© Michael Breiden 27.02.2006