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Stubai Report 2016

3.Tag: Nürnberger Hütte und Mairspitze

Gipfel:                       Mairspitze Vorgipfel (2775m)

Ausgangspunkt:         Parkplatz Nürnberger Hütte (1350m)

Höhendifferenz:         1400m

Gesamtdauer:           6.5h

Ausrüstung:               Bergwanderung (Rucksack)

Bedingungen:             Nebel, nasser Neuschnee ab 2700m

Frage: wo ist denn der zweite Tag geblieben? Antwort: der Sintflut zum Opfer gefallen. Statt Gipfelglück erkundeten wir die Stubaier Metropolen Neustift und Fulpmes mit Regenschirmen bewaffnet und nutzten unsere Stubai Super Card für gratis Busfahrten und den Eintritt in das Hallenbad. Immerhin gelang es uns, im Tourismusbüro eine Liste der illustren 7 Summits des Stubaitales zu ergattern. Ich fühle mich in der Qualität meiner gewissenhaften Vorbereitung auf diesen Urlaub bestätigt, standen sie doch alle bereits auf meiner langen Liste möglicher Gipfelziele:

  • Elferkofel
  • Serles
  • Habicht
  • Hoher Burgstall
  • Zuckerhütl
  • Wilder Freiger
  • Rinnenspitze

Neben der Einführung der Stubai Super Card sind die 7 Summits wohl der zweite Geniestreich der Marketingabteilung des Tourismusverbandes – nun haben wir ein hehres Ziel vor Augen: möglichst viele dieser 7 prominenten Erhebungen abzuhaken.

Heute morgen haben wir unsere Ferienwohnung schweren Herzens mit Sack und Pack verlassen und sind mit Mika’s Nutzfahrzeug talaufwärts zum Parkplatz der Nürnberger Hütte gefahren. Die nächsten beiden Nächte werden wir auf eben dieser Hütte verbringen – ein notwendiges Opfer für die Besteigung des Wilden Freiger, der mit 3418m ein ordentlicher Kracher ist und möglicherweise schon den Höhepunkt unseres Urlaubs darstellt. Der Himmel ist nach dem langen Regenguss immer noch wolkenverhangen, doch für morgen sind optimale Bedingungen vorhergesagt. Wer weiß, wann die Sonne danach wieder einmal auf das schöne Österreich hinunterscheinen wird – man muss eine solche Gelegenheit beim Schopf packen!

Das haben sich auch zahlreiche andere Touris gedacht, denn der Parkplatz platzt bei unserer Ankunft beinahe aus allen Nähten. Als gut organisierter Kontrollfreak hatte ich meinen großen Rucki schon vor unserem Aufbruch gepackt, zur Belohnung darf ich nun Mika dabei zusehen, wie er in aller Seelenruhe seine Ausrüstung im Kofferraum zusammensucht.

Endlich brechen wir auf mit dem Zwischenziel Nürnberger Hütte (2278m). Auf breiter Forststraße geht es gemächlich bergauf zur Bsuechalm (1572m), auf der wir nach einer halben Stunde Gehzeit im Nebel schon unsere erste Geschäftspause einlegen. Der Weiterweg ist nicht intuitiv ersichtlich, wir folgen einigen vagen Spuren im Grünen jenseits der Kapelle und durch ein Tor. Dahinter zeichnet sich wieder ein deutlicher Pfad ab, der uns langsam in vielen Serpentinen recht ereignislos nach oben bringt. Die Sicht ist bescheiden, Wolkenfelder breiten sich in mehreren Höhenlagen aus und lassen nur hier und da einen Blick auf die umgebenden Berge zu. Wenn die Suppe einmal aufreißt, lugen weißgetünchte Spitzen daraus hervor. Was immer uns morgen auf unserem dicken Dreitausender erwartet – Schnee dürfte dabei sein.

Nach gut drei Stunden erreichen wir die Nürnberger Hütte, die auf einem Absatz hoch über dem Langental thront. Wir checken ein und sichern uns schon einmal die besten Betten im Lager 21 (wie wir glauben – immerhin handelt es sich um zwei freistehende Einzelbetten, so dass wir des Nächtens nicht Gefahr laufen, mit fremden Leuten kuscheln zu müssen). Wir deponieren einen Teil unserer Ausrüstung im Trockenraum (der Name „Käseraum“ erscheint uns adäquater) und schicken uns an, den Hüttenberg der Nürnberger zu besteigen, die Mairspitze (2780m).

Der Pfad beginnt hinter der Hütte, er wird auch für den Übergang zur Sulzenauhütte (2191m) genutzt. Er führt mäßig ansteigend durch ein gerölliges Hängetal hinauf. Bald machen wir wenige Minuten vor uns eine Gruppe von einem halben Dutzend Berggängern aus, die allesamt mit dem dem Gesicht zum Bergmassiv gewandt zu stehen scheinen, so als würden sie gleichzeitig urinieren. Als wir sie erreichen, bemerken wir, dass ein Teil von ihnen von Panikattacken wegen des etwas exponierten Höhenweges erfasst worden ist. Wir passieren die Gruppe und erreichen alsbald einen kecken Grat, der nicht zu steil in Richtung Gipfel führt. Leider haben wir die Wolkengrenze erreicht, der Großteil des folgenden Aufstiegs findet im Nebel statt. Ab 2700m finden wir eine geschlossene Schneedecke vor. Sie wird von letzter Nacht stammen, der Schnee ist unangenehm seifig.

Im Nebel folgen wir beinahe einem falschen Grat, der planmäßige Weg führt stattdessen in leichter aber glitschiger Kraxelei hinab in eine Mulde. Wir überholen einen Jungen und zwei Männer, die ihn führen. Ich glaube zunächst, der Junge sei blind doch dann stellt sich heraus, dass er unter akuter Höhenangst leidet. Zumindest scheinen seine beiden Aufpasser ihm dies zu suggerieren. Er selbst scheint ok zu sein. Die drei gehörten wohl zur Gruppe der „Stehpinkler“ und müssen uns während einer unserer legendären Pausen überholt haben.

Schließlich lassen wir die Abzweigung zur Sulzenauhütte zu unserer Linken und wandern die letzten Meter nach Norden zum Gipfelkreuz. Auch eine Sitzbank steht hier, doch insgesamt zeigt sich uns der Gipfel der Mairspitze ziemlich ungemütlich – nasser Schnee, null Sicht, ein eisiger Wind und der gesamte Grat ist bedeckt mit Exkrementen von Ziegen oder Schafen oder sonstigen Alpenbewohnern. Ab und an lugt der eigentliche Gipfel der Mairspitze aus der Hechtsuppe hervor, eine steile Zinne, die nur wenige Meter über unserem „Marketingkreuz“ liegt. Streng genommen haben wir also nicht den höchsten Punkt des Berges erreicht, der ist nur mit einiger Kletterei zu bewältigen. Das deprimiert uns nicht sonderlich, wir brechen alsbald auf zurück zur Hütte, in spannender Erwartung des Abends auf der selbigen.

Bei unserer Rückkehr finden wir unser Lager und den Schankraum gerammelt voll vor. Eine der drei aparten jungen Mitarbeiterinnen bringt uns noch an einem Tisch unter, wo wir unser 4-Gänge Menü genießen (beim letzten Gang handelt es sich um ein Schnäpsken). Wir lernen Astrid und Stephan aus München kennen. Die beiden sind auf einer 24-tägigen Hüttentour unterwegs, alle Achtung. Mika und meine Wenigkeit konstatieren, dass dies nichts für uns wäre. Zu sehr haben wir in den letzten Jahren den Luxus des Basecamps im Tal schätzen gelernt. Die beiden folgenden Nächte werden für uns befremdlich genug ausfallen, wie wir fürchten…